Gibt es Wellen an der Ostsee? Wann Du surfen kannst

Surfer reitet eine Welle

Surfen an der Ostsee? Das klingt für viele nach einem Witz. Ist es aber nicht. Wellen gibt es hier durchaus, nur eben nicht jeden Tag und nicht auf Bestellung. Wer weiß, wann es läuft, erwischt überraschend gute Tage. Wir erklären, worauf es ankommt.

Ja, aber nur wenn der Sturm hilft

Surfer beim Eintauchen in die Welle
Ohne kräftigen Wind keine Welle, die Ostsee braucht den Sturm.

Die Ostsee ist ein Binnenmeer, hier rollt kein Ozean-Swell an wie in Portugal. Wellen entstehen nur lokal, durch kräftigen Wind direkt vor der Küste. Das heißt: Die Saison ist Herbst und Winter, grob von Oktober bis April, wenn die Stürme das Wasser auf die Küste drücken. Ohne Sturm bleibt die See flach. Vor Fehmarn baut sich bei kräftigem Nord- bis Nordostwind eine saubere Welle auf, Rügen liefert bei Westwind im Herbst.

Wann es sich lohnt, den Forecast lesen

Damit Du nicht umsonst hinfährst, lohnt der Blick in die Wellenvorhersage. Wichtig ist die Periode, also die Sekunden zwischen zwei Wellen. Je länger, desto geordneter und kraftvoller läuft die Welle. An der Ostsee sind die Perioden kurz und die Wellen steil, das macht sie eigen, aber an guten Tagen richtig spaßig. Apps wie Surfline oder Windguru helfen beim Einschätzen, dazu ein Blick auf Windrichtung und Stärke.

Nordsee, die verlässlichere Adresse

Surfer warten im Wasser auf die naechste Welle
Wer sicher Welle will, fährt an die Nordsee nach Sylt oder St. Peter-Ording.

Wer öfter und verlässlicher surfen will, fährt an die Nordsee. Sylt ist das Zentrum der deutschen Surfkultur, St. Peter-Ording bietet viel Platz und flache Bereiche für Einsteiger. Dort kommt durch das offene Meer mehr Welle an. Anders als an der Ostsee musst Du hier die Gezeiten beachten: Bei Niedrigwasser gibt es flache Priele zum Üben, bei Hochwasser bricht die Welle vor den Sandbänken.

Erstanschaffungen mit Beispielen anhand von Körpergewichten

Fürs Wellenreiten-Lernen gilt: lieber ein großes, volumiges Softboard (Schaumbrett). Es trägt gut, verzeiht Fehler und tut beim Sturz nicht weh, gerade in der kurzen, steilen Ostsee-Welle ein Vorteil. Richtwerte:

KörpergewichtBoard-LängeVolumen (Einsteiger)
ca. 45 kgca. 7’0–7’6ca. 55–65 L
ca. 65 kgca. 7’6–8’2ca. 75–90 L
ca. 85 kgca. 8’2–9’0ca. 95–110 L
ca. 100 kgca. 9’0–9’6ca. 110–130 L

Je mehr Volumen, desto leichter bekommst Du die Welle und stehst früher. Kürzere, dünnere Bretter kommen später, wenn Du Wellen sicher anpaddelst. Dazu gehört immer ein warmer Neopren, denn die Ostsee-Wellensaison ist Herbst und Winter.

Surfen an der Ostsee ist kein Mythos, sondern ein Geheimtipp für die kalte Saison. Pack einen warmen Neopren ein, behalte den Forecast im Auge, und greif zu, wenn der Sturm Wellen schickt. Für den verlässlichen Wellenritt ist die Nordsee einen Ausflug wert. Beides findest Du in unseren Spot-Guides.

Wann genau und wo die Welle läuft

Die Wellen-Saison an der Ostsee ist der Herbst und Winter, grob von September bis März, wenn kräftige Tiefdruckgebiete über die See ziehen. Wellen entstehen nur, wenn der Wind lange genug und stark genug aus der richtigen Richtung über eine große Wasserfläche weht, den sogenannten Fetch. Deine beste Chance hast Du deshalb während und kurz nach einem Sturm, bei auflandigem Wind. Bei ruhigem Sommerwetter bleibt die Ostsee dagegen spiegelglatt.

Wo Welle läuft, hängt von der Ausrichtung der Küste ab: Ein Strand, der offen in die Windrichtung zeigt, bekommt Welle, ein geschützter nicht. Exponierte Abschnitte auf Fehmarn, Rügen und an der offenen Küste Mecklenburg-Vorpommerns liefern bei den passenden Stürmen. Verlässlicher als die Ostsee ist die Nordsee, etwa Sylt, die fast immer einen Grundschwell hat und einen Ausflug wert ist.

Ehrlich bleibt aber: Herbst- und Wintersurfen heißt kaltes Wasser und raue Bedingungen. Ein dicker Neopren mit Haube und Handschuhen ist Pflicht, welcher passt, klärt der Neopren-Ratgeber. Und Sturmwellen sind nichts für die ersten Versuche: Bei ablandigem Wind treibt es Dich raus, dann bleibst Du an Land. Fang bei überschaubaren Bedingungen an, am besten mit einem Kurs, und behalte den Wind-Check im Auge.